Mit der Ausgabe der Jahreszeugnisse endet das Schuljahr – und für viele Kinder beginnt ein Tag voller gemischter Gefühle. Freude über gute Leistungen steht oft neben der Sorge, mit den eigenen Noten zu enttäuschen.
Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leiterin des Kinderschutzbundes Landesverband Bayern, macht deutlich: „Nicht das Zeugnis entscheidet über die Zukunft eines Kindes – sondern wie Eltern darauf reagieren.“ Ein Zeugnis sei immer nur eine Momentaufnahme. Viel wichtiger sei, dass Kinder erleben, dass sie unabhängig von ihren Leistungen geliebt, angenommen und unterstützt werden.
Gerade wenn ein Zeugnis schlechter ausfällt als erhofft, sind Verständnis und Zuhören gefragt. Statt Vorwürfen oder Vergleichen mit anderen Kindern helfen ehrliche Gespräche: Was ist schwergefallen? Welche Unterstützung wird benötigt? Gemeinsam nach Lösungen zu suchen stärkt das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Der Kinderschutzbund weist außerdem darauf hin, dass Noten nur einen kleinen Teil dessen widerspiegeln, was Kinder ausmacht. Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Empathie oder Durchhaltevermögen finden sich in keinem Zeugnis – sind für die Entwicklung eines Kindes aber von großer Bedeutung.
Die Sommerferien sollten deshalb vor allem Zeit zum Erholen, Auftanken und für schöne gemeinsame Erlebnisse sein. Mit etwas Abstand können Eltern und Kinder gemeinsam auf das kommende Schuljahr blicken und realistische Ziele entwickeln.
Unser Appell zum Zeugnistag: Nehmen Sie Ihr Kind zuerst in den Arm – und schauen Sie erst danach auf das Zeugnis. Kinder brauchen keine perfekten Noten, sondern die Gewissheit, dass ihre Eltern an ihrer Seite stehen. Dieses Vertrauen ist die beste Grundlage, um Herausforderungen zu meistern und den eigenen Weg zu gehen.